05.02.2002 LOKALAUSGABE WAZ Essen
König Jan tauscht Schwert gegen Zepter
Hahneköpper schlagen "Fridolin"

Essen Frohnhausen; Wenn die Hähne niedrig fliegen, wird am Ende einer siegen. So war es auch beim berühmt-berüchtigten Hahneköppen der KG Hahnekopp. Nach einer fast zweistündigen Prozedur bewies Jan Winters gute Durchschlagskraft und wurde der neue König der Hahneköpper.
Fridolin wollte ja unbedingt Karneval feiern. "Das ist bestimmt lustig", dachte er sich. Seine Familie hatte ihn gewarnt. "Da kriegst du ordentlich eins auf die Mütze", sagten sie. Und sie hatten recht. Denn Fridolin war der Hahn des diesjährigen Hahneköppens. So hatte ihn jedenfalls Ute Grassmann, Mitglied der KG Hahnekopp, liebevoll genannt.
Viele hatten sich bei schönem Wetter eingefunden, um das Spektakel mitzuerleben. Seit 1862 schon ist das Hahneköppen feste Tradition. Man erzählt sich, dass damals ein Hahn den männlichen Jecken den Frühschoppen tierisch vermiest hatte. Denn als diese in den frühen Morgenstunden nach durchzechter Nacht heimlich an ihren Gattinnen vorbeischleichen wollten, verriet sie der Hahn mit lautem Krähen. Die Männer waren darüber so erbost, dass sie ihn kurzerhand einen Kopf kürzer machten. Dieses Brauchtum ist bis heute erhalten geblieben.
Der Hahn Fridolin kam dieses Jahr von einem Biobauern des Vertrauens, der den Hahn extra zu diesem Anlass gezüchtet hatte. Einen Tag vor der Zeremonie gingen die männlichen Mitglieder der KG Hahnkopp mit dem Hahn auf Kneipentour. Zu der Zeit lebte er noch, saß in seinem Käfig und freute sich wohl immer noch über den lustigen Karneval. "Er war eigentlich ganz still. Nur manchmal hat er gekräht", erzählte Galgenmeister Carsten Grassmann. Am Abend vor dem "Köppen" gab es dann noch Wasser und Futter für Fridolin - seine Henkersmahlzeit. Als die Kapelle am Clubhaus "Eigene Scholle" angekommen war, konnte es losgehen. Der blau-weiße Galgen stand bereit. Nach einem Korb mit Süßigkeiten und Mettwürstchen kam Fridolin an die Reihe. Kopfüber wurde er an die Kordel gehängt. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich schon im "Hahn-Nirvana". "Ach, wäre ich doch ein Wasserhahn geworden", mag vielleicht einer seiner letzten Gedanken gewesen sein. Präsident Helmuth Hagemann erklärte das Spiel für eröffnet und ließ die ersten Aspiranten auf den Königsthron der Hahneköpper beginnen. Mit Holzschwertern ausgestattet rotierten sie am Hahn vorbei und versuchten sich mit mehr oder weniger festen Hieben. Verschiedene Techniken wurden angewandt, filigrane Zielstöße genauso wie robuste Schmetterschläge.
Dann endlich - entzwei. Doch nicht der Hals, sondern ein Schwert, mit dem wohl etwas zu stark geklopft worden war. Fridolin ließ zwar Federn, doch sein Hals blieb ganz. "Letztes Jahr war der Hahn schon sehr alt und sein Hals ganz zäh", erinnerte sich Ute Grassmann an die damals dreistündige Prozedur. Aber auch Fridolin machte den Königsanwärtern trotz seines erst dreijährigen Halses zu schaffen. Auch deshalb, weil der Galgenmeister allerlei Späße machte und die Haudegen so manches Mal ins Leere schlagen ließ. Unter Anfeuerungsrufen gelang schließlich Jan Winters der finale Hieb, der ihn zum neuen König der KG Hahnekopp machte. Zusammen mit seiner Frau Anita darf Jan Winters nun ein Jahr lang das Königszepter tragen. Der Hahn wurde übrigens fachmännisch ausgenommen und in einer Suppe serviert. Fridolin hatte es nicht anders gewollt. Jetzt herrscht in den Ställen der Hühner und Hähne erst einmal Ruhe. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Der Hahn ist tot, es lebe der König.

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