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Bündnis für Tierrechte Bochum
.......3. Februar 2005
Mit Kopfabreißen zur Kulturhauptstadt Europas
In ganz Europa versuchen Städte und Gemeinden, ihre kulturelle Bedeutung
zu unterstreichen, um im Ringen um die Würde der Kulturhauptstadt
Europas ihre Chancen zu wahren.
Welch ein Hohn, dass auch das Ruhrgebiet, allen voran die Städte
Essen und Bochum, versucht, den begehrten Titel zu ergattern. Während
andere Städte auf wirkliche, kulturelle Höhepunkte und eine
kulturelle Weiterentwicklung hinweisen können, so sind in Essen und
Bochum barbarische, mittelalterliche Riten bis in die heutige Zeit verwurzelt.
In Bochum wird seit dem 17. Jahrhundert einer blutigen Tradition, dem
Gänsereiten, gefrönt.
Die damals während des dreißig jährigen Krieges im Ruhrgebiet
lagernden spanischen Söldner haben lebende Gänse an den Beinen
aufgehängt und ritten mit ihren Pferden unter den kopfüber baumelnden
Gänsen her. Sie griffen nach dem Kopf der Gänse und zerrten
solange daran, bis dieser dann irgendwann abriss.
Und auch im Ruhrgebiet des 21. Jahrhunderts rollen bei diesem ekelhaften
Kriegsspiel in Bochum Köpfe. Gänseköpfe, die von Reitern
in uniformen, blauen Kitteln mit der bloßen Hand von den Körpern
der hierfür getöteten Gänse abgerissen werden. Inszeniert
wird dieses Treiben nun als lustiges Karnevals-Spektakel bei dem die Kinder
in der ersten Reihe sitzen und zu ihren „großen Vorbildern“
aufschauen.
Mit Gegröle wird anschließend derjenige als Gänsereiterkönig
gefeiert, der den Gänsekopf abreißt
Gänsereiter, aber auch verantwortliche Politiker und Kirchen-Obere
verteidigen das Gänsereiten mit der 400 jährigen Tradition.
Doch zu den Traditionen umherziehender mittelalterlicher Kriegsknechte
gehörte vor allem das Rauben und Brandschatzen. Vergewaltigungen
der Frauen waren für sie an der Tagesordnung.
Den blutrünstigen Wettkampf des Reitens nach der lebenden Gans praktizierten
sie, um für das Töten von Menschen in Form zu bleiben. Das öffentliche
Quälen und Töten wehrloser Tiere half mit, aufkommende Skrupel
im Keim zu ersticken. Nur wer die menschlichen Regungen von Mitleid und
Tötungshemmung ganz überwunden hatte, konnte der gequälten,
flatternden, ängstlich schreienden Gans mit bloßer Faust den
Kopf abreißen.
Die meisten Menschen aus anderen Städten reagieren mit Ekel und Unverständnis,
wenn sie zum ersten Mal vom Gänsereiten hören. Kaum jemand mag
glauben, daß solche Rohheiten im Ruhrgebiet beheimatet sind und
noch heute als Brauchtum gepflegt werden.
Das Ruhrgebiet wir bei der Bewerbung um die Kulturhauptstadt Europas
offiziell durch die Stadt Essen vertreten, doch dort wurde noch im letzten
Jahr neben dem Gänsereiten auch das artverwandte Hahneköppen
veranstaltet.
Beim Hahneköppen wird den aufgehängten und kopfüber baumelnden
Hähnen mit einem Stock der Kopf abgeschlagen.
Auch hierbei wird derjenige Hahneköpper gefeiert, der dem baumelnden
Tierkörper den Kopf so zerschmettert, daß dieser dann abreißt
und umherfliegt. Auch bei diesen Veranstaltungen sind kleine Kinder ganz
vorne mit dabei. Sie lernen Gewalt und Gewaltverherrlichung von klein
auf. All dies, was man andernorts verzweifelt versucht, von Kindern fern
zu halten, damit ihr Wesen keinen Schaden nimmt, wird im Ruhrgebiet den
Kindern mit Stolz präsentiert und vorgelebt.
Welche Art von Kultur wird den Menschen mit solch Veranstaltungen wohl
vermittelt? Schlimm genug, daß Politiker, hochgestellte Persönlichkeiten
und Erwachsene diesem schaurigen Treiben beiwohnen, aber in vorderster
Reihe stehen Jugendliche und Kinder und sehen ihren großen Vorbildern
beim Kopf abreissen zu.
Wo bleibt das Mitgefühl unseren Mitgeschöpfen und Schwächeren
gegenüber? Mitten im Ruhrgebiet werden Gewaltdarstellungen als kultureller
Höhepunkt gefeiert und mit dieser Tradition will man dann zu der
Kulturhauptstadt Europas gewählt werden.
Mit solchen Traditionen und der Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas
macht man die ganze Region lächerlich.
Stück für Stück wird In ganz Europa der würdelose
Umgang mit den Mitgeschöpfen und mit Schwächern abgeschafft,
und in der Vorzeigestadt würden mittelalterliche Riten gepflegt und
Gewalt verherrlicht.
Aber nicht genug, es kommt noch schlimmer:
Als Gipfel der Perversion werden in Bochum aber auch Kinder zu Kopf- Abreissern
gemacht. Beim sog. Kindergänsereiten werden Kinder ab sieben Jahren
zum Kopf- Abreissen animiert. Und dieses respektlose Verhalten haben sich
nicht einmal die Menschen im Mittelalter getraut, nein, dies ist erst
in der Neuzeit in Bochum eingeführt worden.
Gerade die jüngsten Übergriffe von Kindern und Jugendlichen
auf ihre Mitschüler verdeutlichen, wie fahrlässig es ist, Gewalt-
Darbietungen zu verharmlosen. Wenn beim Gänsereiten die Gewalt unter
Gejubel und Gegröle verherrlicht wird, wird sich auch bei den anwesenden
Kindern ein Gewaltmuster im Kopf festsetzen.
Nachdem im letzten Jahr zahlreiche sozial engagierte Bochumer Gruppen
wie dem Bochumer Friedensplenum, dem Kinderschutzbund und weiteren Friedensgruppen
sowie Künstlern und Personen des öffentlichen Lebens ein Verbot
des Gänsereitens gefordert haben, wird es höchste Zeit, dieses
Spektakel mit hierfür getöteten Tieren abzuschaffen.
Der erste und vermutlich einzige künstlerische Aspekt des Gänsereitens
liegt vermutlich darin, dieses abzuschaffen und durch eine würdige
Kulturveranstaltung, die den Namen auch verdient, zu ersetzen.
Weitere Informationen und Bilder zum Gänsereiten finden Sie auf der
Internetseite des Bündnis für Tierrechte Bochum unter www.tierrechtsnetz.de
Bündnis für Tierrechte Bochum; tierrecht@gmx.de
1) Kindergänsereiten Reithalle am Südpark, Reiterweg, 44869
Bochum
Sonntag, 30. Jan. 2005, ab 13.00 Uhr.
Gänsereiten der Erwachsenen am Rosenmontag, 7. Februar 2005:
2) Bochum Höntrop um 13.30 Uhr im Südpark, Elverfeldstr., 44869
Bochum
3) Bochum Sevinghausen um 14.00 Uhr an der Gänsereiterhalle (Wattenscheider
Hellweg 272; 44867 Bochum)
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